So erhöht Frau ihre Bewerbungschancen


Eigentlich steht es schon im Grundgesetz, Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Die Berufswelt offenbart allerdings, dass Deutschland davon noch ein Stück entfernt ist. Ein Blick in die Abteilungsleiter- und Führungsetagen zeigt, dass es mit der Gleichheit noch nicht immer funktioniert. Was Frauen selber tun können um ihre Chancen auf eine Führungsposition zu erhöhen erläutert Karriereberater Christoph Schließke.

Ein üblicher Weg, sich über freie Stellen ist informieren sind die Anzeigen in Zeitungen oder über Stellenportale im Internet. In diesen können sich potentielle Bewerber über die gewünschten Qualifikationen und Anforderungen, die ein Arbeitgeber an eine Stelle richtet, informieren. Und hier tun sich bereits erste Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf. Studien haben ergeben, dass Männer sich im Schnitt dann auf eine Stelle bewerben, wenn sie die genannten Anforderungen zu 60% erfüllen. Diese betonen sie dann so stark, dass die Punkte, die sich nicht erfüllen, weniger ins Gewicht fallen. Frauen bewerben sich meistens erst dann auf eine Stelle, wenn sie mindestens 90%, meist sogar erst wenn sie 100% der Anforderungen erfüllen und sie stellen diese Kenntnisse meist bescheidener dar als Männer. Frauen sollten also den Mut haben auch bei kleineren Lücken in den Anforderungen eine Bewerbung zu schicken und ihre Stärken deutlicher hervorheben.

Es stellt sich die Frage, ob ich das überhaupt darf. Schließlich stellt das Unternehmen nicht umsonst Anforderungen. Hier gilt es zwischen Muss- und Kann-Anforderungen zu unterscheiden. Die Muss-Anforderungen sind in der Regel zwingende Voraussetzungen um die Aufgaben der ausgeschriebenen Stelle zu erfüllen. Diese werden dadurch erkannt, dass sie ganz oben in der Stellenanzeige genannt sind. Außerdem werden diese Punkte mit Worten wie: Wir erwarten, Voraussetzungen sind, Wir setzen voraus, Sie bringen mit, eingeleitet. Diese Punkte sollten der Bewerber bzw. die Bewerberin mitbringen. Anders sieht es bei den Kann-Anforderungen aus. Diese stehen im zweiten Abschnitt der Ausschreibung bzw. man erkennt sie an Formulierungen wie Idealerweise können Sie, wünschenswert wäre, zusätzlich freuen wir uns, wenn Sie außerdem mitbringen. Hier können Sie großzügig sein, was Ihre Qualifikation angeht. Betonen Sie Ihre Stärken und Ihre Leistung, denn dafür werden Sie eingestellt.

Der zweite Weg von neuen Stellen zu erfahren, ist über das Netzwerk, dass Mann bzw. Frau sich aufgebaut hat. Ca. 50% der Stellen werden über die Netzwerke vergeben und landen nicht in Stellenausschreibungen. Hier gilt es für Frauen, ihr Netzwerk regelmäßig zu pflegen und auszubauen. Männer, deren berufliche Karriere nicht durch Erziehungszeiten unterbrochen worden sind, haben hier häufig einen Vorteil. Daher der Rat an Frauen, nutzen Sie Ihre vorhandenen Kontakte.

Ebenso können Referenzen ihre Bewerbungschancen verbessern. Sie haben noch Kontakt zu ehemaligen Chefs oder Professoren aus der Uni-Zeit? Nutzen Sie diese für eine Referenz in Ihrer Bewerbung. Frauen treten hier manchmal etwas zurückhaltend auf. Scheuen Sie sich nicht, diese Möglichkeiten zu nutzen. 

Wenn dann die Einladung zum Vorstellungsgespräch vorliegt, dann sind schon einige Hürden gemeistert worden. 

Eine Frage bzw. Aufgabe im Vorstellungsgespräch ist fast immer die Selbstpräsentation. Und auch hier gibt es Unterschiede bei Männern und Frauen. Wenn z.B. fünf Minuten für diesen Part vorgesehen sind, dann reden Männer eher eine Minute länger als vorgesehen, während Frauen eine Minute früher fertig sind. Hier gilt es für Bewerberinnen anzusetzen. Diesen Punkt können Sie am Besten vorher üben. Legen Sie sich eine Strategie für die Selbstpräsentation zurecht, sprechen Sie ausführlich über Ihre Stärken, Ihr Können und Ihre Leistung. Und achten Sie darauf, dass immer ein Bezug zur gewünschten Stelle vorhanden ist. So können auch Hobbies oder Ehrenämter eine wichtige Rolle spielen, sofern die Kenntnisse und Erfahrungen, die Sie dort einbringen in der ausgeschriebenen Stelle gewünscht sind.

Das Vorstellungsgespräch wird der Bewerberin leichter fallen, wenn es dieses vorher durchspielt. Suchen Sie sich jemanden, der mit Ihnen im Rollenspiel die wichtigsten Passagen des Gespräches durchspielt. So können Sie Sicherheit und Selbstbewusstsein für das tatsächliche Gespräch antrainieren und lernen und somit Ihre Chancen verbessern.
Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen:


  •  Lesen Sie aufmerksam die Stellenausschreibungen und lassen Sie sich nicht davon abschrecken, wenn Sie etwas nicht können. Ab 60% Übereinstimmung können Sie sich bewerben.
  •  Pflegen Sie Ihr Netzwerk und Ihre Kontakte, rund die Hälfte aller Stellen werden auf diese Weise vergeben.
  •  Besorgen Sie sich Referenzen und Empfehlungen, diese heben Sie positiv hervor.
  • Treten Sie im Vorstellunggespräch selbstbewusst auf und heben Ihre Stärken und die Leistung hervor. Üben Sie das Vorstellungsgespräch im Rollenspiel.


Wenn Sie darüber hinaus wissen möchten, wie Sie kniffelige Fragen im Vorstellungsgespräch meistern, wie Sie sich nachhaltig in Erinnerung bei der Wunschfirma bringen und was sich hinter der ABBA-Formel verbirgt, dann können Sie mich gerne kontaktieren.

Ich wünsche Ihnen alles Gute beim Bewerbungsprozess.

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